Suche:
 Inhalt

 

 News 
Amerikanische Stiftung fördert Forschungsarbeit von Prof. Dr. Blaes

Gummersbacher Neurologe erforscht seltenen Tumor bei Kleinkindern

Prof Blaes mit Mitarbeiterin im Labor bei Forschung OMS (Foto: Klinikum Oberberg)
Gummersbach/ Gießen - Prof. Dr. Franz Blaes, Chefarzt der Klinik für Neurologie am Kreiskrankenhaus Gummersbach, konnte es kaum fassen, als er die Nachricht aus Amerika erhielt. Mit 50.000 Dollar wird seine Forschung über Kinder mit Opsoklonus Myoklonus-Syndrom unterstützt. Die Pablove Foundation, eine amerikanische Stiftung, war auf den deutschen Professor aufmerksam geworden. Er forscht in Kooperation mit der Universität Gießen über die Ursachen der Erkrankung, die häufig kleine Kinder, seltener Erwachsene trifft.

Was ist das für eine Erkrankung? Die Eltern von Anna Merkel haben auf der Homepage ihrer betroffenen Tochter unter www.anna-merkel.de die Krankheit gut verständlich erklärt: „Das Opsoklonus-Myoklonus-Syndrom (OMS) ist eine neurologische Erkrankung, die häufig Kinder in den ersten drei Lebensjahren trifft. Es handelt sich dabei um eine Kombination von Augenbewegungsstörungen (Opsoklonus), Muskelzuckungen (Myoklonien) und Koordinationsstörungen (Ataxie), die das Kind in seiner Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. In etwa 50-60% der Fälle tritt dieses Syndrom zusammen mit einem bösartigen Tumor, dem Neuroblastom, auf. Dieser Tumor, der von Teilen des Nervensystems abstammt, ist eine der häufigsten bösartigen Erkrankungen des Kindesalters, fast die Hälfte der Kinder überlebt die Erkrankung nicht. Nach dem bisherigen Kenntnisstand haben Kinder mit beiden Erkrankungen (OMS und Neuroblastom) eine bessere Prognose hinsichtlich des Tumorleidens. Die Kinder sind jedoch durch das OMS und eine über lange Zeit bestehende Koordinationsstörung (Ataxie) und durch eine Lernbehinderung erheblich betroffen.“

Prof. Blaes, der vor seinem Wechsel ans Kreiskrankenhaus Gummersbach am Universitätsklinikum Gießen-Marburg tätig war, forscht seit 15 Jahren über die Ursachen der Krankheit. „Wir haben Grundlagenforschung betrieben und weltweit neben einer amerikanischen Arbeitsgruppe die meisten wissenschaftlichen Forschungsergebnisse veröffentlicht“, berichtet der Chefarzt der Neurologie. Eine Elternvereinigung betroffener Kinder aus den USA hatte Prof. Blaes auf die Ausschreibung der Stiftung aufmerksam gemacht. Die amerikanische Stiftung hatte ein Projekt ausgeschrieben, auf das sich Prof. Blaes beworben hatte. „Ich habe sehr gute Kontakte zu betroffenen Eltern in England und Amerika“, erklärt der Neurologe, der Ende der 90er-Jahre an der Universität Oxford begonnen hatte, über die Erkrankung zu forschen. „Alle zwei Jahre lädt die englische Elternvereinigung zu einem wissenschaftlichen Kongress über Opsoklunus ein.

Die Kontakte zu den betroffenen Eltern pflege ich.“ Eine Deutsche Elternvereinigung wurde 2001 von Prof. Blaes mit ins Leben gerufen und trifft sich seither einmal jährlich in Köln. Seiner Forschungsgruppe seien in Deutschland etwa 70 - 80 Kinder bekannt, die an der Krankheit leiden. Auch Erwachsene können an diesem Syndrom erkranken. Die 50.000 Dollar Forschungsgelder, die Prof. Blaes erhalten hat, sind zweckgebunden. „Die OMS entsteht vermutlich durch eine fehlgeleitete Immunreaktion, die in dem Tumor der Kinder entsteht. Die Stiftung hofft, dass wir die Vorgänge im Neuroblastom besser verstehen und damit eine Möglichkeit finden, diesen Tumor zu bekämpfen“, fasst Prof. Blaes zusammen. Zu seinem Forschungsteam gehören eine Biologin und eine Biologie-Studentin, die beide in Gießen an der Aufgabe arbeiten. „Wir besprechen regelmäßig, welche Experimente durchgeführt werden und tauschen uns über die Ergebnisse aus. Alle drei bis vier Wochen fahre ich auch nach Gießen.“

Die Arbeit findet im Labor an Zellkulturen statt. „Neuroblastomzellen lassen sich kultivieren“, erklärt der Neurologe. „Wir brauchen allerdings Blutproben betroffener Kinder.“ Dabei unterstützt die Deutsche Neuroblastomstudie mit Sitz in Köln das Projekt. Die Fördersumme reicht, um ein Jahr - vielleicht noch ein zweites Jahr - die Forschungsarbeit fortzusetzen. Prof. Blaes: „Es ist extrem schwierig für solch seltene Erkrankungen Fördermittel zu bekommen, umso glücklicher bin ich über die Unterstützung aus den USA.“ (red.-01.10.2015 20:03)


 


© 2003-2020 oberberg-heute.de Alle Rechte vorbehalten. Impressum / Datenschutzerklärung