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Traditionneller Weihnachtsmarkt

Weihnachtsmann, Rauschgoldengel und Marzipanschweinchen

Eigentlich hat das Museum des Oberbergischen Kreises auf Schloss Homburg längst die Winterpause eingeläutet. Zum traditionellen Nikolausmarkt öffneten Museumsleiterin Gudrun Sievers-Flägel und ihr Team am zweiten Adventswochenende jedoch wie gewohnt die Schlosstüren. Tausende Besucher strömten hinein und genossen die besondere Atmosphäre.

Nümbrecht - Eiskalt, klare Luft, strahlendblauer Himmel - da nutzten viele die Gelegenheit, in Nümbrecht oder an der Holsteinsmühle zu parken und zu Fuß Richtung Schloss durch den Wald zu stapfen. Die Vorfreude war wie jedes Jahr berechtigt. Die eifrigen Helfer um Museumsleiterin Gudrun Sievers-Flägel hatten in den Schlossgemächern ein Flair geschaffen wie es weihnachtlicher nicht hätte sein können. Mit Nelken gespickte Orangen und Zimtstangen sorgten gleich am Eingang für den passenden Duft. Es roch aber auch nach fettgebackenen Teigbällchen und Punsch. Beides wurde in der Schlossküche angeboten, wo die Besucher an Stehtischen plauderten. 50 geschmückte Christbäume und 45 Stände, ein Großteil mit nostalgischen Weihnachtszierrat, Leckereien und Spielzeug lenkten die Blicke auf sich. Am Samstag wurden bereits 1500 Eintrittskarten verkauft, am Sonntag kamen noch einmal 3500 hinzu - Museumsleiterin und der Förderverein Schloss Homburg konnten mit der Resonanz wieder rundum zufrieden sein. Weihnachtsmann Klaus Dannenberg in seiner historischen Bischofskluft war natürlich ständig von Kindern umlagert.

"Den Besen, den ihr täglich findet, in Gottes Wort und den man bindet, durch stilles Denken bringt herbey, dem Durst der Eitelkeit zu wehren, damit, wann Christus ein soll kehren, die Wohnung rein und lieblich sei" - So steht es im Ständebuch zu lesen. Klar, dass ein Besenbinder ebenso zu den Marktattraktionen gehörte wie der "Marzipanmacher", sprich Konditor. Jürgen Triebsch, Meister seines Fachs, zeigte in der Orangerie wie er aus der köstlichen Mandelmasse die schönsten Figuren zaubert. Seine Pralinés ließen sich große und kleine Schleckermäuler gerne auf der Zunge zergehen.

Das Marzipan wurde übrigens genau wie die Magenmorsellen erstmals in einem alten Arzneibuch, dem "Lumen Apothecariorum" des Quiricus Augustis 1495 erstmals beschrieben. Die Morsellen, die im Schloss jedes Jahr verkauft werden, sollen die Magentätigkeit anregen und das reichliche Weihnachtsessen verträglicher machen. Während im Jagdsaal Flötenkinder, kleine Pianisten und Geiger klassisch auf die Weihnachtszeit einstimmten, lockten alte Weihnachtsbriefe, feines Bütten, Federkiele und Tintenfässchen die Betrachter in Scharen an. Auch Renate Kraneis aus Reichshof fand mit ihren schönen alten Bauerntischtüchern viele Interessenten.

Immer wieder eine Augenweide ist der alte Baumschmuck aus Lauscha. Er hat eine lange Tradition. Im Thüringerwald wurden bereits 1597 erste Glashütten gegründet, die mit der Produktion von Glasperlen begannen und 1850 auch Glasspielzeug und Früchte herstellten. 1867 wurde eine Glasanstalt eröffnet, in der es möglich war mit sehr heißer Flamme große dünnwandige Kugeln und Formen zu blasen. Der Christbaumschmuck ist heute noch aktuell.

Engel sind auch dieses Jahr wieder der letzte Schrei. So war es kein Wunder, dass eine ganze Schar der "gefiederten Boten Gottes" an die Frau oder den Mann gebracht wurde. Den ersten Rauschgoldengel hatte übrigens der angesehene Nürnberger Handwerksmeister Balthasar Hauser Ende 1700 geschaffen. Er konnte den Tod seiner einzigen Tochter Anna nicht überwinden. Und als ihm eines Nachts ein Engel mit dem Antlitz seines verstorbenen Kindes erschien, schnitzte er ihr Gesicht aus Lindenholz nach. Aus Wellblech fertigte er einen goldenen Plisseerock und verpasste dem Engelswesen mächtige goldene Flügel. Beim nächsten Christkindlesmarkt waren seine Rauschgoldengel wahre Kassenschlager.

Ganz modern, aber nicht unbedingt begeisternd wurde die Computerstation in der Orangerie aufgenommen. Dort konnten die Besucher sich im Internet Adventskalender anschauen.

TEXT: Anke Mortsiefer


 



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