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Diskussion nach der Stunde der Wintervögel im Januar

Suche nach dem Sündenbock

Blaumeisen waren im Winter 2017 um - 51 % seltener, als im Winter 2016 (Foto: Reiner Jacobs)
Oberberg - Im Januar fand die „Stunde der Wintervögel“ statt, eine öffentliche Vogelzähl-Aktion im heimischen Garten, zu der der NABU aufgerufen hatte. Die Ergebnisse der Zählung zeigten bundesweit deutliche Bestandsrückgänge bei einigen Singvogel-Arten, insbesondere bei Meisen und Finken. So auch im Oberbergischen. Die Vogelkundler des NABU erklärten weniger Vögel „am Futterhaus“ mit schlechten Brutergebnissen im vergangenen nassen Frühjahr und mit geringem Zuzug aus Osteuropa.

Aber einige Vogelfreunde glauben das nicht. Der NABU erhielt einige Zuschriften und auch in Leserbriefen gab es ganz andere Erklärungsansätze: Schuld seien die Krähen, die Elstern, die Hauskatzen oder die Greifvögel. Der NABU freut sich, dass viele Menschen die Vogelzählung und ihre Ergebnisse verfolgen und sich um die Kleinvögel sorgen. Aber trotz aller Sorge dürfe nicht einfach nach dem Sündenbock gesucht werden. Und daher wollen die Vogelkundler die Fakten klarstellen. Und zwar anhand der Ergebnisse der „Stunde der Wintervögel“, die auch die Rückgänge bei Meisen und Finken gezeigt hat:

Dass sich insbesondere der Sperber, aber auch der Habicht, von Singvögeln ernährt, ist richtig. Aber auch bei den Greifvögeln besteht eine „Räuber-Beute-Beziehung“. Wenn es den Singvögeln schlechter geht, wird sich langfristig auch die Greifvogel-Populationen verringern. Wenn Sperber, Krähen und Co. die Singvogelbestände dezimieren würden, graben sie sich selber die Beute ab und das wird in der Natur nicht passieren. Zudem halten Marder, Parasiten und Krankheiten die Population der Greifvögel in ihren natürlichen Grenzen, ganz abgesehen von Stromleitungen, Windrädern und Straßenverkehr. Sperber und Habicht werden aber kaum in der Wintervogelzählung erfasst; hier fehlen konkrete Daten.

Aber die Rabenvögel werden gut erfasst: Elstern, Eichelhäher und Krähen können Singvögel erbeuten, aber für den Schwund der Meisen und Finken bei der Wintervogelzählung kann man sie nicht gut verantwortlich machen: Sie hatten bei der Zählung selber deutliche Verluste (Rabenkrähe - 41 %, Eichelhäher -33 % und Elstern - 16 %). Sie können also nicht die Schuldigen sein. Sie sind genauso betroffen wie Meisen und Finken.

Auch Hauskatzen fangen viele Vögel. Aber nur in und um die Ortschaften. Und an Meisen kommen sie viel schlechter heran, als an Amsel, Star oder Rotkehlchen, die am Boden Nahrung suchen. Die Wintervogelzählung 2017 zeigt aber, dass keine dieser Arten Einbrüche im Bestand hatte - im Gegenteil: Amsel (+ 28 %), Star (+ 108 %) und Rotkehlchen (+ 9 %) wurden häufiger gezählt als bei der „Stunde der Wintervögel“ im Januar 2016! Auch Hauskatzen können für die fehlenden Meisen und Finken am Futterhaus also nicht verantwortlich sein.

Was ist also schuld am Ausbleiben der Meisen und Finken am Futterhaus? Der NABU bleibt dabei: das schlechte Brutjahr 2016 und geringer Zuzug aus dem Osten kommen in Betracht - aber nicht Sperber, Krähen und Co.

Der NABU hofft, dass ein gutes Brut-Ergebnis 2017 den Bestand wieder aufbaut. Die „Stunde der Gartenvögel“ vom 13. bis zum 15. Mai wird dazu bereits Hinweise geben. (Sandra Häfner, Michael Gerhard-08.03.2017 10:02)

Ein Amsel-Männchen, im Winter 2017 auf der Gewinnerseite mit + 28 % im Vergleich zum Vorjahr (Foto: Reiner Jacobs)


Disteln und Mädesüß: Distelfinken benötigen artenreiche Flächen in der Landschaft mit Nahrungspflanzen (Foto: Michael Schmitz)


Habichte leben vom Fang anderer Vogelarten (Foto: Daniel Schmidt, NABU)




 


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