Suche:
 Inhalt

 

 News 
Angelika Brill weckt die Lust zum Golfen und warnt vor zwischenmenschlichen Hürden

Wie man zum Golfen kommt

Nicht nur das Golfspiel, auch die Aussicht ist verlockend. (Foto: Magdalena Bechheim)
Meine Vorstellung vom Golfspiel war äußerst vage und ging in die Richtung: Elitärer Sport, Menschen, die hinter einem kleinen Ball herlaufen, kurz den Schlag ausführen, dann ein Stück gehen, um gleich wieder stehen zu bleiben. Hörte sich für mich total langweilig an, und hatte meiner Meinung nach mit Sport herzlich wenig zu tun. Dass ich da einer totalen Fehleinschätzung unterlag, sollte ich später noch erfahren! Ich joggte lieber, tanzte Standard und Latein, spielte Squash, und das Fitnessstudio war mein zweites Zuhause. Tja, bis zu dem Moment, als mein Mann während unseres Urlaubs in Österreich einen Schnupperkurs mit anschließender Platzreife belegte.

Tja, bis zu dem Moment, als mein Mann während unseres Urlaubs in Österreich einen Schnupperkurs mit anschließender Platzreife belegte (die Platzreife bescheinigt, dass der Spieler quasi die Grundausbildung zum Golfspieler erfolgreich abgeschlossen hat. Die Prüfung gliedert sich in einen Theorie- und Praxisteil). Fortan sah ich ihn kaum noch, lediglich hörte ich mir nach Stunden der Abwesenheit seine euphorischen Erzählungen an, die er mit glänzenden Augen und mit dicken Blasen an den Händen vortrug. Und während er tagtäglich in Richtung Golfplatz sauste, keuchte ich joggend die Berge rauf und runter, ging schwimmen und hatte das Gefühl, mir den Urlaub irgendwie anders vorgestellt zu haben, und nicht plötzlich mein Dasein als Single zu fristen.

Mitunter, oder besser gesagt ziemlich oft, muss man sich auch einmal auf allen Vieren auf die Suche nach dem Ball begeben. (Foto: Magdalena Bechheim)

Dann kam der Tag, an dem mein Mann mir verkündete, dass er mich zu einer Probestunde angemeldet hatte. Erst später dämmerte mir, warum. Da Golf durchaus ein Zeitfresser sein kann (und ist), hatte er die nette Idee, man könnte es gemeinsam betreiben. Also trabte ich widerwillig zu meiner Probestunde. Schon nach kurzer Zeit merkte ich, dass die Chemie zwischen dem Trainer und mir nicht stimmte und ich fand mich lediglich bei seiner Frage, ob ich was mit meinen Handgelenken habe, total bestätigt. Da ging ich mit ihm vollkommen d‘accord , was ich auch triumphierend meinem Mann berichtete. „Siehste, hab ich doch gleich gesagt, bin vollkommen unbegabt und überhaupt finde ich es bescheuert, dauernd nach diesem dämlichen Ball zu schlagen, der sich partout nicht einen Millimeter vorwärts bewegt, egal, wie oft ich mit dem Schläger versuche, ihn zu treffen“.

Um es kurz zu machen, mein Mann gab nicht auf, und meldete mich bei einem anderen Trainer an, der wohl neben seiner Ausbildung zum Golflehrer auch Psychologie studiert haben musste, anders kann ich es mir nicht erklären, dass er es geschafft hatte, mich nicht zu vergraulen. Und dann kam der Moment, als ich das erste Mal tatsächlich den Ball traf und er flog von dannen. Zwar nicht weit, aber er flog. Genial! Ich glaube, das war der Zeitpunkt, wo ich Gefallen dran fand. Fortan kam ich mit dicken Blasen an den Händen von der Driving Range (Übungsgelände), und ich kroch morgens mit Muskelschmerzen aus dem Bett. Muskeln, von dessen Existenz ich bis dato gar nichts wusste. Aber ich war „angefixt“, der hohe Suchtfaktor in Bezug auf das Spiel nahm so langsam Besitz von mir.

Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich die Platzreife machte. Tatsächlich habe ich es geschafft und durfte zum ersten Mal auf den „richtigen“ Platz, und nicht nur auf den 6 Loch Platz. Mit der Selbstüberschätzung und Ahnungslosigkeit eines Frischlings dachte ich, dass ich ja jetzt schon spielen kann. Dass ich eine gefühlte Ewigkeit brauchte, um ein Loch zu Ende zu spielen, war schon ziemlich frustig. Da waren die Hacker oder die Luftschläge, sprich, ich haute mit dem Schläger in die Erde, was den Ball keineswegs dazu veranlasste, seine bequeme Position zu verlassen oder ich schlug über den Ball. Aber ich bin von Haus aus ehrgeizig, und so übte und übte ich, bis dass ich es schaffte, neun Löcher unter vier Stunden zu spielen.

Ich wollte es ja nicht zugeben, aber meine ursprüngliche Annahme, Golf sei kein Sport, musste ich schnell revidieren. Nach einer gespielten Runde schaffte ich es gerade noch, nach Hause zu fahren, um mich halbtot auf die Couch zu werfen. Das hatte noch keine Sportart geschafft, mich derart zu erschöpfen. Im Laufe der Zeit machte meine Kondition und mein Spiel gute Fortschritte, und selbst 18 Löcher ließen mich nicht mehr erlahmen.

Meine anfängliche Skepsis, Golf betreffend, hat sich in Leidenschaft für diesen Sport gewandelt. Es gibt meiner Meinung nach kaum eine andere Sportart, die einen so fordert und in der man sich und andere Mitspieler innerhalb einer Runde derart gut kennenlernt. Da kann auch schon mal ein Schläger hinter dem Ball herfliegen, wenn die kleine Kugel ein Eigenleben entwickelt, und statt auf dem Fairway (kurz gemähter Bereich einer Spielbahn) Kurs Richtung Wald aufnimmt und unauffindbar bleibt. Die Mitspieler sollten sich dann tunlichst, beim Anblick des davon sausenden Schlägers davor hüten, es mit einem grinsenden: „Schöner Schwung“ zu kommentieren. Denn zum Golfspiel gehört, einen Tag einfach super zu spielen, um am nächsten Tag den Frust auszuhalten, dass nichts geht. Höhen und Tiefen wechseln sich ab.

Golferin beim Abschlag (Foto: Magdalena Bechheim)
Es gibt wohl kaum einen Golfer, der zwischenzeitlich nicht mal das zwanghafte Bedürfnis verspürt, seine Schläger bei der erstbesten Gelegenheit im Wasser zu versenken und sich und seinen (Leidens-) Genossen schwört, sofort und für immer mit dem Golfen aufzuhören, um dann aber am nächsten Tag wieder über den Platz zu marschieren. Beim Golfen entwickelt man ein hohes Suchtpotential, was einen immer wieder auf die Runde treibt.

Das Spiel kann man bis ins hohe Alter ausüben, ist immer an der frischen Luft, und hat einen traumhaften Blick auf die Natur. Man kann mit einem Flight (eine Gruppe von maximal vier Personen, die gemeinsam spielen) gehen oder auch alleine.

Egal, wie gut oder schlecht das Handicap (Kennzahl, die das aktuelle Spielpotential eines Spielers angibt) ist, jeder kann mit jedem gehen, da man zwar miteinander spielt, aber nicht gegeneinander.

Jeder Golfer weiß natürlich, dass eine Partie Golf nicht aus 18, sondern aus 19 Löchern besteht, wobei das 19. Loch bei vielen das beliebteste ist. Dort trifft man sich, um nach dem Spiel bei einem Getränk (meist bleibt es nicht bei einem) zusammenzusitzen. Wenn man Pech hat, sitzt man neben einem Golfer, der seine Runde gerne nochmal Revue passieren lässt. Vorsicht bei dem Satz: „Stell dir vor, an Loch 1 ist mir folgendes passiert“. Erfahrungsgemäß hört er erst auf, wenn er bis zum Einlochen des Balls an der 18 alles eingehend analysiert hat.

Zusammenfassend möchte ich nur noch eins sagen: Golf macht einen Riesenspaß, es macht süchtig, und man fragt sich, warum man nicht schon viel früher damit angefangen hat. Neugierig geworden? Probiert es aus. Es gibt die sogenannten Schnupperstunden. Dort steht euch der Trainer zur Seite und das nötige „Werkzeug“ bekommt ihr auch.

Liebe Nichtgolfer, vorweg: Man benötigt für das Spiel mit seinem eigenen Partner eine absolut gefestigte Beziehung oder einen guten Scheidungsanwalt, möglichst mit Golferfahrung. Ich sah schon Paare, und da spreche ich aus Erfahrung, gut gelaunt in Richtung Golfplatz ziehen, und nach kurzer Zeit einen der beiden wutschnaubend in die entgegengesetzte Richtung laufen. Für nun eventuell verunsicherte Paare noch der beruhigende Hinweis: Ihr werdet nie gemeinsam mit eurem eigenen Partner ein Turnier spielen !( Angelika Brill-04.09.2021 19:43)

Weitere Infos für Interessenten: Golfclub Oberberg e.V.


 


© 2003-2020 oberberg-heute.de Alle Rechte vorbehalten. Impressum / Datenschutzerklärung