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Therapie zu Pferd und beim Spiel im warmen Wasser

Wiehl-Oberbantenberg - Im Haus früher Hilfen in Oberbantenberg werden seit 1983 Kinder von der Geburt bis zur Einschulung behandelt und gefördert, wenn ihre Entwicklung Anlass zur Sorge gibt.

Aufmerksam schauen die Mädchen und Jungen zu, als Reitpädagogin Ute Storath auf ihrem Hof in Reichshof-Lüsberg dem gescheckten Pony den Schweif und die Hinterbeine abduscht. Damit aber nicht genug. Jetzt müssen die Hufe ausgekratzt, das Fell geputzt werden. Das machen die Kinder schon selbst und dann führen sie das Pferd zum Reitplatz. Die fröhliche Schar, die da erwartungsvoll mit den Füßen im Mulch scharrt, bis die Aufwärmrunde mit einem Laufspiel beginnt, kommt ein Mal wöchentlich zum therapeutischen Reiten zusammen. Die Teilnahme an der Reitgruppe, geleitet von Therapeutin Ruth Freude, zahlt keine Krankenkasse. Sie wird vom Verein zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder finanziert. Sie wird vom Verein zur Förderung und Betreuung behinderter Kinder finanziert. Ihm gehören betroffene Eltern an, die das Haus früher Hilfen gegründet haben und die Arbeit von Beginn an unterstützen. Rund 100000 Euro an Spendengeldern bringen sie alljährlich auf. "Den größten Teil der Kosten tragen jedoch der Kreis und die Krankenkassen,", erklärte der Leiter der Einrichtung, Dr. Wolfgang Wörster. Er ist voll des Lobes, dass im Oberbergischen Kreis für die Frühförderung nicht wie in anderen Regionen Einzelanträge gestellt werden müssen. "Hier überweisen die Kinderärzte, ganz unbürokratisch. Die Verantwortlichen beim Kreis wissen wie bedeutsam unsere Arbeit und die psycho-soziale Versorgung sind." Die Kinder, die im Haus früher Hilfen gefördert werden, benötigen in verschiedenen Bereichen eine Unterstützung. Dies betrifft die motorischen, sprachlichen, sozialen und geistigen Fähigkeiten.

Zu den zwölf Mitarbeitern, die die Kinder einzeln oder in Kleingruppen betreuen, gehören Krankengymnastinnen, eine Ergotherapeutin, eine Logopädin und fünf Pädagogen. Seit einiger Zeit ist auch die Sportlehrerin und Motopädin Heike Strombach in der Einrichtung beschäftigt. Gemeinsam mit der Sozialpädagogin Astrid Lenz sucht sie ein Mal pro Woche mit einer kleinen Gruppe von Kindern das Schwimmbad der Hugo Kükelhaus-Schule in Oberbantenberg auf. Die Badelandschaft dort ist behindertengerecht gebaut. Die Wassertemperatur liegt bei 38 Grad - gute Voraussetzungen also für die ersten Erfahrungen mit dem Element. Spielerisch wird den Kindern die Angst vor dem Wasser genommen, Gleichgewichtssinn, Muskelspannung und -entspannung automatisch geübt. Die Zahl der Kinder mit Entwicklungsstörungen ist in den vergangenen Jahren erheblich angestiegen. Die Ursachen dafür sieht Wörster an den Bedingungen mit denen Kinder heutzutage groß werden. "Das soziale und emotionale Klima und die Stellung der Familie in der Gesellschaft haben sich verändert. Die Kinder müssen sich in einer höchst hektischen Welt zurecht finden. "Mit ihnen spielen, vorlesen, gemeinsam positive Abenteuer erleben. Kinder, Kinder sein lassen", rät Wolfgang Wörster. Kindern brauchen eine stabile und sichere Bindung, die die Erwachsenen ihnen ermöglichen. Die an Modetrends orientierten Ratgeber erscheinen Wörster nicht unbedingt hilfreich. Sein Tipp: "Lieber Pippi Langstrumpf, Karlson vom Dach oder Tom Sayer und Huckleberry Fynn lesen, denn Kindheit sollte eine schöne und von Spiel geprägte Zeit sein. Wir Erwachsenen sollten sie wieder entdecken."
Im Haus früher Hilfen orientiert sich die Förderung der Kinder ebenfalls am Spiel. "Es ist die entscheidende Grundlage aller Bewegungs-, Wahrnehmungs- ,Sozial und Denkfähigkeiten."

TEXT/BILDER: Anke Mortsiefer


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