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| Während des freien Falls ist der Sprungschüler nie alleine. Zwei Lehrer halten Körperkontakt - bei Tempo 200. Foto: Skydive Westerwald |
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Waldbröl-Ziegehardt - Anton Bock (14) stürzt sich in 4.000 Metern Höhe aus dem Flugzeug. Ein so ausgeschlafenes Kerlchen ist Dirk Rewald, dem Ausbildungsleiter von „Skydive Westerwald“ auch noch nicht untergekommen. Und der Mann hat schon vielen Novizen das kleine Einmaleins dieser rasanten luftsportlichen Disziplin vermittelt. Nicht nur, dass der gerade mal 14-jährige Anton Bock aus dem Waldbröler Ortsteil Ziegenhardt als jüngster Sprungschüler Deutschlands (Vereins-)Geschichte schreibt, kein Azubi vor ihm hat das praktische Training dort je zuvor so schnell durchlaufen wie er.
„Ein Naturtalent“, urteilt sein Llehrer. Dem Erwerb der Springerlizenz steht jetzt nur noch eins im Wege: Antons zu geringes Alter. Den entsprechenden „Führerschein“ gibt es erst mit 16 Jahren.
Irgendwann im Frühsommer dieses Jahres hatte der Knabe an die Tür des Manifests, der Leitstelle der Springer auf der Breitscheider „Hub“ geklopft. Im Schlepptau hatte er seinen Vater Eugen (38). Beide sollten fortan auch nur noch im Doppelpack auftreten. Er wolle Fallschirm springen, erklärte der junge, aufgeweckte Bursche und auch der Vater hatte sich einverstanden erklärt.
Die „Schnapsidee, sich hoch am Himmel ein paar Quadratmetern Nylonseide anzuvertrauen, war Vater und Sohn bei einer ihrer regelmäßigen Bergwanderungen in den österreichischen Alpen gekommen. Da aber das Bergische Land mit Möglichkeiten zum Skydiven nicht gerade reich gesegnet ist, entschied man sich für das Sprung-Zentrum im Hessischen Breitscheid. Und so sollten an den kommenden Wochenenden etliche Meilen An- und Abfahrt zusammen kommen. Oftmals war das auch für die Katz. Denn: Fallschirmspringen ist nun mal extrem wetterabhängig. Und wenn die Wolken zu tief liegen, der Wind zu heftig pustet oder es regnet, fällt die Fallschirmstunde aus.
Reisebegleitung im freien Fall bei Tempo 200
Bock Junior und Bock Senior hatten sich zum Erlernen des Himmelstauchens für die AFF-Methode entschieden, die den klassischen Ausbildungsweg immer mehr verdrängt. AFF steht als Kürzel für „Accelerated Freefall“, was so viel wie „Beschleunigte Freifallausbildung“ bedeutet. Dabei springt der Schüler schon beim ersten Mal in 4.000 Metern Höhe aus dem Flugzeug, begleitet von zwei erfahrenen Lehrern, die auf Tuchfühlung bleiben und eventuelle Haltungsfehler bzw. Schnitzer gleich an Ort und Stelle korrigieren und ausbügeln. Nach dem dritten Sprung reduziert sich die Zahl der Aeropädagogen, die den Jungspringer auf seiner schnellen, vertikalen Reise durch das himmlische Klassenzimmer begleiten, auf einen. Der „Lehrling“ steht am geöffneten Schirm zudem per Funk ständig mit dem „Schuldirektor“ am Boden Kontakt.
Die AFF-Ausbildung besteht aus sieben Leveln, die jeweils aufeinander aufbauen und ganz bestimmte Lernziele verfolgen. Wird das Übungsziel nicht erreicht, steht Nachsitzen an. Man spricht in diesem Falle von „Re-Jumps“. Motto: Try it again! Der Sprung beinhaltet eine Freifallzeit von 50 bis 60 Sekunden. In dieser Spanne müssen diverse Übungen, deren Schwierigkeitsgrad von Mal zu Mal steigt, absolviert werden. Vorteil dieses Systems: Der Lernerfolg stellt sich relativ schnell ein, die Motivation ist entsprechend. Schon nach wenigen Wochen kann das Klassenziel erreicht sein. Und das war bei Anton Bock der Fall.
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| Wegen ihm kann`s losgehen: Anton Bock aus Waldbröl-Ziegenhardt hat sein „Ranzerl“ gepackt. Auf dem Westerwald im Hessischen Breitscheid lässt sich der Realschüler zum „Skydiver“ ausbilden. Er ist Deutschlands jüngster Sprungschüler. Foto: Skydive Westerwald |
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Hochkonzentriert, aber völlig cool
„Sommer 2013,750 PS, 12 Minuten Steigflug, 4000 Meter, Aufregung x 3, Exit, 50 Sekunden freier Fall, 200 km/h, Puls 190, Adrenalin hoch 10, unendlich Spaß , 3 Tage Grinsen“, dies hatte Anton Bock am 4. Mai nach dem ersten Sprung auf seiner Facebookseite gepostet. Zwei Monate später war der Bub bereits am Ziel und hatte sein Pensum erfüllt. „ Hochkonzentriert, dabei aber völlig cool, entspannt und überlegt sei er an die Sache angegangen, sagen die Lehrer, die ihrem Schützling Disziplin, Ehrgeiz und Teamgeist bescheinigen.
Die tristen Wintermonate kann er sich jetzt ganz entspannt auf die theoretische Prüfung vorbereiten, um im folgenden Frühjahr weiter an seiner Choreografie zu feilen. „Die offizielle Lizenzprüfung schafft der dann mit links“, ist Ausbildungsleiter Dirk Rewald sicher. „Der Anton hat in diesem Sport noch eine große Zukunft vor sich“, gibt er sich überzeugt. (red.-13.09.2013 17:16)
Übrigens: Bock Senior mochte da hinter seinem fidelen Filius nicht zurückstehen. Eugen Bock hat das letzte Level inzwischen ebenfalls gemeistert und büffelt jetzt für den entscheidenden Abschlusstest. Blue Skies!
Weitere Infos über den Fallschirmsport und die Ausbildung unter www.skydive-westerwald.de
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| Auch Anton Bocks Vater Eugen (links) lernt im Hessischen Breitscheid Fallschirmspringen. Ausbilder Thomas Schönecker prüft kurz vor dem Start in letztes Mal, ob Schirm und Gurtzeug richtig sitzen. Foto: Skydive Westerwald |
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| Das erste Mal: Nach 50 Sekunden Freifallzeit hängt Aton Bock am geöffneten Schirm. Seine beiden AFF-Lehrer, die ihn auf dem Weg in die Tiefe begleitet und Tuchfühlung gehalten hatten, haben los gelassen. Doch der 14-Jährige ist nicht auf sich alleine gestellt. Ein weiterer Sprunglehrer hält vom Boden aus Funkkontakt. Foto: Skydive Westerwald |
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