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Treffen der „Ersten Bürger“ der Gemeinde an alter Wirkungsstätte

Fünf Bürgermeister erinnern sich im Rathaus an ihre jeweilige Amtszeit

Gaben sich nacheinander den Rathausschlüssel in die Hand: Die Morsbacher Bürgermeister Heinz Schlechtingen, Horst Jütte, Jan Schumacher, Raimund Reuber und Jörg Bukowski (v.l.n.r.). Foto: Christoph Buchen

Von Christoph Buchen

Morsbach - Wenn ein Jahr zu Ende geht, neigt man oft dazu, Rückschau zu halten. In der Adventszeit trafen sich im Rathaus Morsbach in gemütlicher Runde vier ehemalige Bürgermeister und der amtierende „Erste Bürger“, um nicht nur Rückschau auf das Jahr 2025 zu halten, sondern auch auf ein halbes Jahrhundert Kommunalpolitik in der Gemeinde. Horst Jütte, Heinz Schlechtingen, Raimund Reuber, Jörg Bukowski und Jan Schumacher haben von 1975 bis 2025 die Politik der Gemeinde Morsbach mitgestaltet und 50 Jahre lang ein Stück Zeitgeschichte mitgeschrieben.

Christoph Buchen stellte ihnen beim Treffen im Rathaus zwei Fragen zu ihrer jeweiligen Amtszeit.

Welche sichtbaren, für die Morsbacher bedeutenden Bauwerke oder baulichen Anlagen sind in Ihrer Amtszeit bzw. Ihrer Zeit als Ratsmitglied entstanden?

Horst Jütte war zunächst nach altem NRW-Kommunalrecht Gemeindedirektor und Leiter der Verwaltung, ehe die „Doppelspitze“ von Gemeindedirektor und ehrenamtlichem Bürgermeister durch eine Gesetzesänderung abgeschafft wurde und er 1998 für zwei Jahre noch hauptamtlicher Bürgermeister wurde. Jütte erinnert sich an seine Amtszeit: „Die Entwicklung und Standortsicherung des Gewerbes standen für Morsbach in den 1980er und 1990er Jahren an erster Stelle, so zum Beispiel entlang der Wisser und im Gewerbegebiet Lichtenberg. Auch Infrastruktureinrichtungen wie der Ausbau der K 58 in Lichtenberg und die dortige Bergstraße, der abschnittsweise Ausbau der Krottorfer Straße bis zur Landesgrenze zur besseren Erschließung der angrenzenden Firmen, die Errichtung des Zentralen Omnibusbahnhofs, die Umgestaltung des Bereichs zwischen Rathaus und Kurpark sowie die Schulwegsicherung mit Umgestaltung der Hahner Straße wurden erfolgreich umgesetzt.

An städtebaulichen Sanierungsmaßnahmen sind zu erwähnen in der Ortsmitte die Neugestaltung von Rheinischer Hof, Rathausplatz (1983), Kirchstraße mit Brunnen (1990) und die Neuordnung des Geländes der Fa. Eisen- und Stahlbau (1996). Der Bau der Sporthalle A im Schulzentrum Morsbach (1998) und die Turnhalle in Holpe dienen heute noch dem Breitensport.“

Heinz Schlechtingen bekleidete von 1987 bis 1997 das Amt des ehrenamtlichen Bürgermeisters und war Vorsitzender des Rates und Repräsentanten der Gemeinde. Der 99-Jährige sagt zu seiner Amtszeit: „Zu erwähnen sind die Erweiterung des neuen Schulzentrums mit dem Bau der großen Sporthalle A Ende der 1990er Jahre und der Bau eines überfahrbaren Verkehrskreisels in der Ortsmitte, damit ihn auch die langen Containerfahrzeuge überqueren können.

Das Interesse unserer Bürgerinnen und Bürger galt damals aber den dicken Kunsteiern in drei Bäumen hinter dem Rathaus. Der Künstler Peter Below hatte die Eier aus weißem Kunststoff zur 1100-Jahr-Feier Morsbachs 1995 gestaltet und aufhängen lassen.

Jeder Bürgermeister erhielt beim gemeinsamen Treffen im Rathaus ein Frühstücksbrettchen mit seiner eingravierten Amtszeit. Foto: Christoph Buchen
Wegen der Plastikeier wurde heftig gestritten, im Gemeinderat und in der Bevölkerung. Man wollte sogar vor Gericht ziehen. Nach Schadenersatzdrohung durch den Künstler kam es schließlich durch eine geheime Abstimmung im Gemeinderat zum Beschluss: Die Kunsteier bleiben in den Bäumen. 2011 sind sie bei einem Sturm beschädigt und aus Sicherheitsgründen alle abgenommen worden.“

Für Raimund Reuber war im Jahr 2000 die Erschließung des Baugebietes „Wisseraue“ mit der Ertüchtigung der „Alten Gerberei“ zu einem Gründer- und Technologiezentrum und einer
attraktiven Immobilie eine wichtige Entscheidung der Kommunalpolitik. „Hinzu kamen die Ansiedlung der Discounter Aldi und Lidl sowie die Entwicklung und Erschließung der Wohnbaugebiete in Morsbach (`Taubenfeld`), Erblingen und Überholz. Mit der Sanierung und Erweiterung des Rathauses konnte die Verwaltung 2002 endlich `unter einem Dach` wieder zusammengeführt werden“, erinnert sich Reuber. „Mit dem Ankauf der Bahnstrecke Morsbach-Waldbröl bis Kömpel konnte die Trasse gesichert werden. Das Gewerbe wurde um 2009 gefördert, indem sich die Firma MONTAPLAST am Standort Schlechtingen erweitern und die gleiche Firma sowie die Firma FAGSI Areale im Gewerbegebiet Lichtenberg erwerben konnten.“

Jörg Bukowski erinnert sich: „Am Sichtbarsten sind sicherlich die Arbeiten im Zusammenhang mit dem Integrierten Handlungskonzept ab 2016, allem voran das Bahngelände mit dem Multifunktionsplatz, dem neuen Spielbereich sowie der neuen Wisser-Brücke. Aber auch die Umgestaltung des Kurparks mit Pump-Track, des Rathausplatzes und der Bachstraße mit der Sitzstufenanlage sollen nicht vergessen werden. Schließlich: die Sanierung des gesamten Schul- und Sportzentrums einschließlich des Hallenbades war dringend notwendig. Und die Erneuerung der Bahnhofstraße wird das Ortsbild bald erheblich verbessern“, ist sich Jörg Bukowski sicher und fährt fort: „Im Übrigen sehe ich den Bau der Kulturstätte 2012 sowie der neuen Sportplätze im Gemeindegebiet als bedeutsam an, weil sich dadurch die Vereine weiterentwickeln konnten.“

Zu den Projekten, die während der Ratstätigkeit von Jan Schumacher umgesetzt oder angestoßen wurden und heute das Ortsbild prägen, zählen unter anderem die Sanierung und Weiterentwicklung des Schulzentrums zum BürgerCampus mit dem Hallenbad, Modernisierungsmaßnahmen an Kitas und Grundschulen, die Eröffnung der Kulturstätte und des Kulturbahnhofs sowie der flächendeckende Ausbau der Gemeinde mit Glasfaser. Schumacher: „Weiter planen wir die Entwicklung des oberen Bahnhofumfeldes als zentraler Standort für Wohnen, Dienstleistungen und medizinische Versorgung (MVZ). Außerdem sind neue Gewerbeflächen, zum Beispiel unterhalb der Firma Montaplast in Lichtenberg, vorgesehen, um Arbeitsplätze zu sichern, neue Unternehmen anzuziehen und wirtschaftliche Abhängigkeiten zu reduzieren.“

Welche für die Gemeinde Morsbach zeitgeschichtlichen, kulturellen oder sportlichen Ereignisse haben in Ihrer Amtszeit bzw. Ihrer Zeit als Ratsmitglied stattgefunden?

Horst Jütte betont, „dass bei der aufwändigen 1100-Jahr-Feier Morsbachs 1995 auch gleichzeitig das 25-jährige Bestehen der Partnerschaft mit dem französischen Kanton Milly-la-Forêt gefeiert wurde. Die damalige Kunstausstellung in der Alten Gerberei sowie die Kunstwerke im öffentlichen Raum bleiben ebenfalls in guter Erinnerung. Bedeutend war für mich vor allem die Teilnahme der Gemeinde Morsbach an der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Dort haben wir 1989 zusammen mit der Gemeinde Anröchte das Land NRW vertreten und den erfolgreichen Weg des Strukturwandels im ländlichen Raum dargestellt.“

Heinz Schlechtingen ist auch heute noch begeistert von der 1100-Jahr-Feier Morsbachs. Er erinnert sich: „Die Recherchen eines Heimatforschers ergaben, dass Morsbach 895 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. Morsbach war also 1995 mindestens 1100 Jahre alt. Der Geburtstag wurde ein ganzes Jahr lang unter großer Beteiligung der Bevölkerung gefeiert.

Eine der wichtigsten Veranstaltungen der letzten 50 Jahre in Morsbach war zweifellos die 1100-Jahr-Feier mit dem historischen Festumzug. Archivfoto: Christoph Buchen
An einem speziellen Festwochenende im September 1995 fanden ein großes Kinderfest und ein Radio-Disco-Abend statt. An dem offiziellen Festakt im geschmückten Zelt nahmen viele

Gäste aus Politik und Wirtschaft sowie die kulturellen Vereine der Gemeinde teil. Festredner war Prof. Dr. Klaus Goebel, Direktor des Historischen Institutes der Universität Dortmund. Sein historischer Festvortrag hatte nicht nur interessierte Zuhörer im Zelt, sondern fand auch in der breiten Öffentlichkeit große Beachtung.

Samstags war dann der historische Festzug mit geschmückten Wagen, vielen Fußgruppen aus der ganzen Gemeinde und mehreren Musikkapellen. Der `Bunte Abend` und am anderen Tag die Kranzniederlegung und die Hubertusmesse in der Basilika rundeten die gelungenen Festtage ab.“

In der Amtszeit von Raimund Reuber konnte die Morsbacher Entwicklungsgesellschaft gegründet werden sowie die Stiftung „Musikschule Morsbach“ mit einem Startkapital von 700.000 Euro. Zu erwähnen ist auch die grundlegende Strukturreform der Gemeindeverwaltung mit Personalkostenersparnis sowie Morsbach als NRW-Pilotgemeinde zur Einführung des kaufmännischen Rechnungswesens.

„Die Jubiläen 100 Jahre Sportverein Morsbach (2002), 125 Jahre Feuerwehr Morsbach (2007) und 75 Jahre Erntedankfest Lichtenberg (2007) bleiben mir noch in guter Erinnerung“, sagt Reuber und weist noch auf den Organ „Kyrill“ hin, der am 18. Januar 2007 wütete und auch in Morsbach Schäden anrichtete.

Eingeprägt haben sich bei Jörg Bukowski zwei große Ereignisse. „Zwar nicht im positiven Sinne, aber sehr bedeutsam und prägend waren die Flüchtlingskrise ab 2015 und im Besonderen die Corona-Zeit von 2020 bis 2023 mit den Einschränkungen für die Bevölkerung, die uns als Gemeinde auch viel abverlangt haben“, erinnert sich Bukowski. „Die Aufführung von Carmina Burana zur Eröffnung der Kulturstätte im Jahr 2012 war ebenfalls ein erwähnenswertes, kulturelles Highlight für Morsbach.“

Die Fragen an Jan Schumacher richten sich sowohl an seine bisherige Ratstätigkeit als auch an seine künftige Amtszeit als Bürgermeister. Er meint: „Herausragend war für mich die Eröffnungsfeier der Kulturstätte mit den bekannten Kantaten von Carmina Burana. Außerdem dürfen wir gespannt sein auf die Jubiläen 55 Jahre Karnevalsgesellschaft und 130 Jahre Karnevalsbrauch in Morsbach im Jahr 2027.“ (red.-Freitag, 19. Dezember 2025)

Fünf Bürgermeister der Gemeinde Morsbach

Horst Jütte (84 Jahre alt, 17 Amtsjahre), von 1982 bis 1997 Gemeindedirektor und dann von 1998 bis 1999 hauptamtlicher Bürgermeister. Heinz Schlechtingen (99, zehn Amtsjahre), von 1987 bis 1997 ehrenamtlicher Bürgermeister, zuvor von 1975 bis 1987 schon Ratsmitglied. Raimund Reuber (74, zehn Amtsjahre), von 1999 bis 2009 hauptamtlicher Bürgermeister. Jörg Bukowski (51, 16 Amtsjahre), von 2009 bis 2025 hauptamtlicher Bürgermeister. Jan Schumacher (39), seit dem 01.11.2025 hauptamtlicher Bürgermeister, zuvor von 2009 bis 2025 schon Ratsmitglied.



 


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