 |
| Foto: Silvana Burgmann |
|
 |
Morsbach - Mehr Resonanz als erwartet erlebte der Kulturbahnhof Morsbach beim Auftakt des neuen Gesprächsformats „Café Mortelle“. 18 Teilnehmende versammelten sich an vier kleinen Cafétischen im alten Wartesaal des Bahnhofs - einem Ort, der sinnbildlicher kaum sein könnte für Ankunft und Abfahrt, Wiedersehen und Abschied, Festhalten und Loslassen. Was auf den ersten Blick ein schweres Thema verspricht, entfaltete an diesem Abend eine überraschende Leichtigkeit und Tiefe zugleich: das gemeinsame Nachdenken und Sprechen über Tod, Sterben und Endlichkeit.
Begrüßt wurden die Gäste von Nadja Schwendemann, Objektmanagerin des Kulturbahnhofs, die den besonderen Rahmen des Abends aufgriff. Der historische Bahnhof, einst Ort des Kommens und Gehens, bot eine passende Kulisse für die Frage, die den Abend leitete: Wann hat der Tod unser Leben verlassen? Eine bewusst provokante Frage, die weniger auf schnelle Antworten zielte als auf ein offenes, respektvolles Miteinander. Tina Sohn aus der Pflegeberatung erläuterte anschließend den Ablauf des Abends und strukturierte die Gesprächsrunden, deren Taktung sie behutsam mit einem kleinen Glöckchen begleitete.
In einer einführenden Ansprache stimmte die ausgebildete Trauerbegleiterin und Initiatorin der Idee, Eva Neuhoff-Kreft, die Anwesenden auf das Thema ein. Sie erinnerte daran, dass der Tod heute oft aus dem Alltag ausgelagert ist - in Krankenhäuser und Institutionen - während frühere Generationen ihn als sichtbaren Teil des Lebens kannten, begleitet von gemeinschaftlichen Ritualen, die Halt gaben. Gleichzeitig verwies sie auf die neue Freiheit unserer Zeit, Abschiede individueller zu gestalten und Rituale zu finden, die sich stimmig anfühlen. Nicht Morbidität, sondern Bewusstheit stand im Mittelpunkt: die Erkenntnis, dass die Auseinandersetzung mit der eigenen Endlichkeit das Leben vertiefen kann.
Die Fragen für die Gesprächsrunden waren auf ausgeschnittenen Papierwolken formuliert - eine kleine, fast spielerische Geste, die dem schweren Thema Leichtigkeit verlieh. In kleinen Tischgruppen kamen die Teilnehmenden rasch und erstaunlich offen miteinander ins Gespräch. Dass sich zuvor fremde Menschen mit großer Selbstverständlichkeit über intime Gedanken, Wünsche, Ängste und Erfahrungen austauschten, beeindruckte selbst die Moderatorinnen. Es wurde konzentriert zugehört, nachgefragt, gelacht - und vor allem blieb man beim Thema.
Die Gesprächsrunden wurden bewusst nicht durchmischt, da sich schnell ein spürbares Vertrauensgefühl innerhalb der Gruppen entwickelte. Die Atmosphäre des Abends war geprägt von Respekt, Neugier und Wertschätzung.
Bei einer Tasse Tee oder einem Glas Wasser entstand ein Raum, in dem es keine richtigen oder falschen Antworten gab - sondern das einfache Dasein, Zuhören und Teilen. Am Ende des Abends kamen alle noch einmal in großer Runde zusammen, um Eindrücke zu teilen. Auf einem grafischen Stimmungsbild konnten die Teilnehmenden mit grünen Punkten markieren, wie sie sich nach der Veranstaltung fühlten. Das Ergebnis fiel durchweg positiv aus.
Was ursprünglich als zweimal jährlich stattfindendes Angebot geplant war, wird aufgrund der großen Resonanz nun mindestens dreimal im Jahr angeboten. Das nächste Café Mortelle findet am Dienstag, den 5. Mai, um 18 Uhr im Kulturbahnhof Morsbach statt. Jede Runde widmet sich einem neuen thematischen Schwerpunkt.
Ein Einstieg ist, nach vorzeitiger Anmeldung, jederzeit möglich. Die Teilnahme ist kostenfrei, aber eine Spende für die Teekasse ist willkommen.
Veranstalter ist die Gemeinde Morsbach, Objektmanagement Kulturbahnhof Morsbach.
Kontakt: kulturbahnhof@gemeinde-morsbach.de
Tel. 02294 699 337 (red.-12.02.2026 12:35)
|