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| Eine Frau schöpft in den 1930er Jahren in Morsbach mit einer Schwengelpumpe Wasser aus einem Brunnen in zwei Zinkeimer. (Repro: Christoph Buchen) |
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Von Christoph Buchen | Schulchroniken als wertvolle Geschichtsquellen
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| Chroniken der ehemaligen Volksschulen sind wertvolle Geschichtsquellen. Im Bild die Titelseite der Schulchronik von Oberellingen von Lehrer Klüppel. (Repro: Christoph Buchen) |
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Dass alte Schulchroniken wertvolle Geschichtsquellen sind, wissen viele Lokalhistoriker. Sie schauen gerne in die Chroniken der ehemaligen Zwergschulen. Die Volksschulen hatten die gesetzliche Verpflichtung, von 1872 bis zu ihrer Ablösung 1968 eine Chronik zu führen. Sie waren in einem dichtmaschigen Netz über das ganze Land verteilt und für den weitaus überwiegenden Teil der Bevölkerung die entscheidenden und einzigen Bildungseinrichtungen.
Die Volksschullehrer fungierten zudem als wichtige Kulturträger und -vermittler in den ländlichen Regionen. Die von ihnen pflichtgemäß verfassten Schulchroniken berichten nicht nur über das interne schulische Geschehen, sondern sie gehen auch auf Wetterereignisse und auf das örtliche und überörtliche Zeitgeschehen in den verschiedenen geschichtlichen Epochen ein.
Natürlich schwanken Umfang und Informationsgehalt der Schulchroniken in Abhängigkeit vom Engagement und von der Einstellung der jeweiligen Verfasser, vor allem auch in der NS-Zeit. Aber gerade im Vergleich wird deutlich, dass die Chroniken wichtige Geschichtsquellen für die regionale historische Forschung darstellen können.
Die Historiker Klaus Niebel und Klaus Pampus von der Oberbergischen Abteilung des Bergischen Geschichtsvereins haben Ende der 1990er Jahre festgestellt, dass damals in oberbergischen Kommunalarchiven und Schulen noch Chroniken von über 140 ehemaligen Volksschulen aufbewahrt werden.
Im Archiv der Gemeinde Morsbach sind bis heute Chroniken von acht ehemaligen Volksschulen aus der Zeit von 1872 bis Ende der 1960er Jahre erfasst. In dieser Zeit gab es in einigen Dörfern, wie Holpe und Wallerhausen sogar eine katholische und evangelische Volksschule nahe beieinander. Im Morsbacher Gemeindearchiv werden außerdem aus manchen Jahren auch Chroniken der Grundschulen sowie der ehemaligen Haupt- und Realschule aufbewahrt.
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Morsbach - Schulchroniken sind wahre „Fundgruben“, die über Generationen in fast jeder Zwergschule geführt wurden. Wichtiges und Nebensächliches haben die Lehrer niedergeschrieben. Vielfach wurden lokale Begebenheiten und Anlässe festgehalten, aber auch überregionale Ereignisse fanden in den kleinen Dörfern ihren Niederschlag. Am Beispiel von Eintragungen in Morsbacher Schulchroniken sollen nachfolgend einige extreme Wetterereignisse in Erinnerung gebracht werden.
Im Jahr 1911 berichten die Chroniken der Volksschulen in Holpe, Wallerhausen, Oberellingen und Alzen übereinstimmend von einer extremen Hitzeperiode. Es hatte damals vom 3. Juli bis Mitte September nicht mehr geregnet hat. Wörtlich heißt es in einer Chronik: „Die Folge der Trockenheit war eine mangelhafte Gemüse- und Grumeternte. Wegen zu großer Hitze wurde die Schule auf Anordnung des Herrn Landrats zum 11.-20. August geschlossen.“
Weiter schreibt der Lehrer vor 115 Jahren: „Die ältesten Leute haben eine solche Trockenheit nicht erlebt. Die Leute in unserer Gegend betrieben hauptsächlich Viehzucht. Die Weidenbesitzer verkauften ihr Vieh mit Schaden. Die Heuernte war gering. Die Frucht, besonders der Hafer, wurde notreif und die Kartoffeln blieben sehr klein. Die Vieh- und Fleischpreise blieben auf der Höhe und die Ochsen wurden schon mit 700 Mark bezahlt. Obst gab es sehr wenig.“
Lehrer Franz Thomas von der Volksschule Alzen schrieb im August 1911 in die Schulchronik: „Die andauernde Dürre macht ihren Einfluss auch auf die Wasserversorgung geltend. Im hiesigen Ort sind die Wasserverhältnisse sehr schlecht. Viele Leute haben einen Brunnen im oder dicht am Hause. Nur wenige Bewohner sind aber mit Wasser versehen. Gerade jetzt bei der Trockenheit empfindet man das Bedürfnis einer Wasserleitung.“
Lehrer Thomas schildert in der Schulchronik die Hitzeperiode weiter: „Aus allen Gegenden Deutschlands laufen Nachrichten ein, dass Menschen vom Hitzeschlag getroffen sind. Brechdurchfall und Magendarmkatarrh treten unter den Kindern epidemisch auf. Unsere Nebenflüsse führen fast gar kein Wasser mehr. Es ist ein großes Fischsterben zu beobachten. Am 9. August 1911 zeigte das Thermometer für Alzen 33 Grad. Am 2. September fand eine Versammlung zwecks Gründung einer Wasserleitung statt, zu der auch Herr Bürgermeister Franz Voß aus Morsbach nach Alzen gekommen war.“
Aber auch das Gegenteil, Starkregen- und Unwetterereignisse, machten den Morsbachern in der Vergangenheit zu schaffen. Die Chronik der katholischen Volksschule Holpe überliefert aus dem Jahr 1961, dass am 5. Juni, am gleichen Tag, an dem bereits 60 Jahre zuvor ein schweres Unwetter über Holpe niedergegangen war, Petrus wieder seine Schleusen öffnete. Dabei erlitt eine Familie, die im Hause der ehemaligen Bäckerei Müller wohnte, großen Schaden. „Das Wasser kam mit Gewalt vom Berg durch das Schlafzimmerfenster und floss durch die Haustür wieder hinaus.“, heißt es in der Chronik. Zurück blieben damals Berge von Schlamm. (Christoph Buchen-Mittwoch, 12. August 2026)
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| Mit dem Pferdefuhrwerk wurde das Heu eingefahren. Das Foto zeigt eine Familie in den 1930er Jahren bei der Heuernte. (Repro: Christoph Buchen) |
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| In Dürrezeiten fiel die Heuernte sehr karg aus. Das Foto zeigt eine Familie aus Böcklingen um 1930 mit ihren Ziegen bei der Heuernte. (Repro: Christoph Buchen) |
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