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| Wen nehmen wir aufs Korn? Ulla Gelbert-Knorr und Ulrike Müller (r.). |
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Gummersbach - Ebbe in den Gemeindekassen, in der Kreiskasse ein Loch, die Förderung der Kultur - löchrig und die Hektik in der Aufeinanderfolge neuer Ereignisse, Beschlüsse, Kompromisse und Vorschläge der Politik erzeugt nur Leere. Die Kabarettfrauen der "Mittagsspitzchen" fanden es schwierig, ihr Programm zum AsF-Neujahrsempfang auch dieses Mal wieder mit Leben zu erfüllen. Sie zogen sich jedoch geschickt aus der Affäre, machten einfach das Vakuum selbst zum Thema und ernteten damit beim Publikum im vollbesetzten Bruno Goller-Haus großen Applaus.
Eigentlich hatten sie sich vom SPD-Parteitag im November Anregungen erhofft. Vergeblich: Himmelblaue leere Transparente, nur ein Slogan: "Das Wichtige tun." Da stellte sich für die zweite AsF-Vorsitzende, Ulla Gelbert-Knorr, aus deren Feder das Kabarettprogramm stammt, zurecht die Frage: "Ja, was denn?" Demokratischer Sozialismus und soziale Gerechtigkeit seien leere Begriffe geworden oder die Politikerpersönlichkeiten gäben auch nichts mehr her. Über Guido Westerwelles vergeblichen Versuch, einen Hugo-Boss-Anzug mit Inhalt zu füllen, könne man doch inzwischen keine Witze mehr machen. Harald Schmidt ausgebrannt, Howard Carpendale weg vom Fenster, nur Harry Potter sei in aller Munde.
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| Die Schmettereulen unter Regie von Jürgen Hennlein umrahmten das kabarettistische Programm. |
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Die geplanten Eliteuniversitäten sollten laut Schröder in der ersten Liga mitspielen. "Als Antwort auf Pisa ist das so, als wenn man in der Sahelzone zehn Ananasplantagen anlegt", meinte Gelbert-Knorr, die sich zum Auftakt des Programms mit Ulrike Müller ein Zwiegespräch lieferte. Außerdem brauche Deutschland erst einmal mehr Kinder. Beckenbauer mühe sich zwar redlich, das aber reiche leider nicht aus. Ein Haushaltsdefizit von 39 Milliarden Euro, Loch bleibe Loch. Das sei bei Kohl einfacher gewesen. "Wenn da ein Haushaltsloch aufgetaucht sei, habe der sich einfach darauf gesetzt."
"Das Loch ist da, wo etwas nicht ist. Das Loch ist ein ewiger Kompagnon des Nicht-Lochs", zitierte Helga Auerswald Kurt Tucholsky, der sich bereits 1931 zur Soziologischen Psychologie der Löcher geäußert hatte.
Einen Ehrengast kündigte Gelbert-Knorr, dann an: Nicht den armen kleinen Nobbet, der immer geschworen habe, die Renten seien sicher. Auch nicht Edmund Stoiber, der seine Frau zuhause Muschi nenne und nicht einmal wisse, was das Wort in Deutschland bedeute. Im Wahlkampf habe er gesagt: "Es bedarf nur eines Funken in die gludernde Lot", sich verbessert: "Ach nein, in die ludernde Glot" und dann gefordert habe: "Wir müssen unseren Kindern wieder mehr Deutsch lernen."
Die AsF-Frauen erwarteten Franz Müntefering, der aber wollte nach Nümbrecht, daher bedienten sich die Frauen einer Rede vom Band.
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| Frank Mederlet, Friedhelm Julius Beucher und die SPD-Europakandidatin fürs Bergische Land, Helene Hammelrath |
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"Wenn du entdeckst, dass du ein totes Pferd reitest, dann steig' ab", das wussten schon die Dakota-Indianer. Eine Weisheit, die hierzulande jedoch nicht fruchtet, wie Helga Auerswald darlegte. Die Strategien hier seien anders. "wir besorgen eine stärkere Peitsche, gründen einen Arbeitskreis, um das tote Pferd zu analysieren, bilden eine Task-Force, um es wieder zu beleben, schieben eine Trainingseinheit ein, um besser reiten zu lernen, erhöhen die Qualitätsstandards zum Beritt toter Pferde und schirren mehrere tote Pferde zusammen, damit sie schneller werden."
Wie man mit weniger Geld in der Tasche auskommen, aber um den Aufschwung anzukurbeln, mehr Geld ausgeben kann, das machte AsF-Vorsitzende Christel Kirsch dem Publikum beim Schnäppchenkauf deutlich.
Gesundheitspolitik, Zahnersatz, die Prinzessin, die aus ihrem Frosch keinen Prinzen macht, sondern seine Schenkel in einer leichten Zwiebel-Weißweinsoße abends lächelnd verzehrt, die Lebensmärchen von Blüm, Effenberger, Naddel und Dieter Bohlen oder Boris Becker - die Mittagsspitzchen ließen kaum ein Thema aus, das in der letzten Zeit für Schlagzeilen gesorgt hatte. Kein Wunder also, dass Ulla Gelbert-Knorr, Ulrike Müller, Christel Kirsch, Helga Auerswald, Hanna Rupe und Anne Theuer zum Abschluss stürmisch gefeiert wurden. Ebenso die "Deezekusener Schmettereulen", der Frauenchor, der unter Regie von Jürgen Hennlein das kabarettistische Programm umrahmte.
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