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Alles Kokolores?

Wenn rheinische Zimtzicken klüngeln und kölsche Jecken Heckmeck machen

In seinem neuen Buch "Alles Kokolores?" greift der Sprachwissenschaftler Peter Honnen Geschichten von Wörtern auf. Sie erzählen viel über das Rheinland, seine Sprache und die Leute, die sie sprechen. „Alles Kokolores“ ist vergnüglich zu lesen und dabei wissenschaftlich korrekt.

Etymologische Wörterbücher zur gesprochen Alltagssprache gibt es bislang kaum, weil die ausschließlich mündliche Überlieferung jede Deutung erschwert. Wie interessant aber gerade der umgangssprachliche Wortschatz in dieser Hinsicht ist, zeigt nun erstmals das Wörter-Buch "Alles Kokolores?". Dabei ist es wissenschaftlich exakt, aber vor allem vergnüglich zu lesen. Es gibt auf unterhaltsame Art Antwort auf Fragen, die immer wieder zur Herkunft und Geschichte rheinischer Alltagswörter gestellt werden.

Vor allem, wenn es um Wörter der Umgangssprache geht, die oft besonders interessant und ungewöhnlich klingen, wie zum Beispiel "Casalla". Ein Wort, das, wie Kölnerinnen und Kölner wissen, nichts anderes als Hiebe oder Prügel bedeutet. "Casalla für Mannheim, denn die Haie sen he!" skandieren etwa die Fans der Kölner Haie. Aber woher kommt dieser Ausdruck? Im Duden kann man solche Wörter nur selten finden. Und gerade darum verführen sie die Sprecher und Sprecherinnen zu phantasievollen und oft überraschenden Spekulationen über die Herkunft. Der Ursprung von "Casalla" liegt - wenn man den Wortgeschichten der Rheinlanderinnen und Rheinländer Glauben schenken möchte - in der Zeit, als Schulkinder noch von den Lehrern körperlich gezüchtigt worden. Erhielt der Schüler rücklings über den Schultisch gebeugt eine Tracht Prügel, konnte er das Schildchen der Möbelfirma "Casala" (Carls Sasse, Launa) sehen. So entstehen Legenden. Im Rheinland erzählt man sich einfallsreiche Wortgeschichten auch über Begriffe, wie Muckefuck und Pumpernickel. Dabei spielt oft die Ortsgeschichte, die bewegte Vergangenheit des Rheinlands unter spanischen und kroatischen Besatzungssoldaten oder die so genannte Franzosenzeit eine wichtige Rolle. "Im Rheinland landet man bei Wortgeschichten immer wieder bei Napoleon", erklärt Honnen.

Aber auch die Wörter selbst erzählen Geschichten. Viele sind auf interessanten oder verwickelten Wegen in das Rheinische gelangt. Oft stammen sie aus dem Jüdischdeutschen oder aus dem Rotwelschen, der alten deutschen Gaunersprache, wie Kohldampf und Pustekuchen. Andere haben sich aus den angrenzenden Sprachlandschaften eingeschlichen, was sie aber geschickt zu verschleiern wissen. Der Abstammung von abnippeln, Baselümpchen oder blümerant auf die Spur zu kommen, ist deshalb auch für Laien ein spannendes Vergnügen.

Und da die Alltagssprache nicht an irgend welchen Grenzen Halt macht, ist das Buch auch in Westfalen, der Pfalz oder in Hessen mit Gewinn zu lesen, denn auch hier kennt man Wörter wie aufdonnern, Heiopei und Kaventsmann.

"Alles Kokolores? Wörter und Wortgeschichten aus dem Rheinland" von Peter Honnen, Oktober 2008, Greven Verlag, ISBN-10: 3-7743-0418-1, ISBN-13: 9783774304185
(red.-05.11.2008 18:43)


 


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