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| Der neue und alte Vorsitzende des Heimatvereins Morsbach Dirk Fassbender (l.) und Werner Schuh (r.) sowie Brückenexperte Dr. Ralf Liptau (Mitte) vom Landschaftsverband. (Foto: Christoph Buchen) |
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Morsbach - Während der jüngsten Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Morsbach im Kulturbahnhof gab es einen Wechsel im Vorsitz. Der 45-jährige Florist Dirk Fassbender wurde zum neuen 1. Vorsitzenden gewählt, der bisherige Vorsitzende Werner Schuh zum Ehrenvorsitzenden. 20 Jahre lang stand Schuh dem Traditionsverein vor und wird auch künftig Sonderaufgaben übernehmen. Sein Stellvertreter Ludger Rosenthal lobte Schuhs großes Engagement und überreichte ihm als Dankeschön einen Präsentkorb.
Zu Beginn der Versammlung ließ Werner Schuh noch als Vorsitzender die Aktivitäten des Heimatvereins im Jahr 2025 Revue passieren. Insbesondere verwies er auf die Familienwanderung am 1. Mai und die gelungenen Aufführungen der Theatergruppe mit dem Schwank „Es fährt kein Zug nach Irgendwo“. Auch hat der Verein dafür gesorgt, dass in einer Vitrine ein Bahnhofmodell ausgestellt wird.
Nachdem Ludger Rosenthal einen sehr zufriedenstellenden Kassenbericht vorgetragen hatte, beantragten die Kassenprüfer Niko Kraft und Peter Wagener die Entlastung des Vorstandes, die auch prompt folgte.
Bei den anschließenden Vorstandswahlen wurden folgende Personen gewählt: 1. Vorsitzender Dirk Fassbender, Stellvertreter und Kassierer Ludger Rosenthal, Schriftführerin Marianne Rosenthal, Beisitzer Roland Bantel, Christoph Buchen, Frank Fassbender, Sebastian Hoberg, Dirk Kamieth, Horst-Jürgen Kaufmann, Birgit Leidig, Jens Mauelshagen, Marlies Roth, Irina Stricker, Peter Weiß und Ehrenvorsitzender Werner Schuh. Zu Kassenprüfern wurden Niko Kraft und Michael Ebach gewählt.
Der neue Vorsitzende betonte in seiner Antrittsrede, dass er auch gerne die jüngere Generation und Neubürger für die Mitwirkung im Heimatverein ansprechen würde. Er kündigte die geplanten Veranstaltungen und Aktivitäten für das Jahr 2026 an. Danach weiht der Heimatverein am 12. April zwei neue Freizeiteinrichtungen auf dem Heider Berg ein, eine Waldsofa und einen Fotorahmen. Am 1. Mai findet wieder die traditionelle Familienwanderung statt. Die Theatergruppe „Vürhang op“ spielt Anfang Mai sechs Mal ihren neuen Schwank „Hände hoch, wie sch(l)iessen“. Hierfür gibt es noch Restkarten. Am 24. Oktober startet wieder der Große Müeschbejer Oowend im Gertrudisheim.
Die Einweihung des neuen Sonnensegels im Kurpark soll noch im Frühjahr stattfinden.
Gespannt war die Versammlung auf den Wissenschaftlichen Referenten des LVR-Amtes für Denkmalschutz im Rheinland Dr. Ralf Liptau und seinen Vortrag „Hängen lassen! Zum kulturellen Wert des Morsbacher Denkmals Hängebrücke“. Dr. Liptau war im vergangenen Jahr maßgeblich an der Unterschutzstellung der Brücke beteiligt. Der Vorstand erläuterte vorweg, dass der Heimatverein seit vier Jahren bemüht ist, die derzeit gesperrte Brücke wieder verkehrssicher sanieren zu lassen.
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| Ludger Rosenthal ® lobte Schuhs großes Engagement und überreichte ihm als Dankeschön einen Präsentkorb. (Foto: Christoph Buchen) |
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Dr. Liptau hob die Bedeutung und den kulturellen Wert der Hängeseilbrücke hervor. Sie sei als letztes erhaltenes Objekt bedeutend, weil sie von einem frühen Strukturwandel im Bergischen Land zeugt und damit von einer Art Neuerfindung der Region seit den 1920er Jahren als Wander- und Freizeitgebiet. Sie sei darüber hinaus Bestandteil einer allgemeinen Brückengeschichte und einerseits eingebettet in eine allgemeine Konstruktionsgeschichte des Hängebrückenbaus, andererseits in eine Geschichte der Landschaftsverschönerung und -inszenierung durch Kleinbrücken.
An ihrer Erhaltung und Nutzung bestünde ein allgemeines Interesse unter anderem wegen volkskundlicher oder städtebaulicher Bedeutung. „Ihre besondere historische Bedeutung ist nachweisbar und hebt das Denkmal aus der Masse des Beliebigen hervor. Sie prägte den Alltag einerseits der Menschen in Morsbach und andererseits der nun in die Region reisenden Gäste.“, stellte Experte Dr. Liptau fest und betonte: „Die Brücke ist nicht nur sprechendes Zeugnis für die lokalen Umwälzungen im Nachgang des lokalen Bergbaus, sondern auch Zeugnis für ein gestiegenes Freizeit- und Erholungsbedürfnis. Sie ist damit Relikt zweier Entwicklungen, die für das spätere 20. Jahrhundert und bis in die Gegenwart hinein bedeutend sein sollten.“
Bisher sei ihm kein vergleichbares Bauwerk aus der Zeitstellung des frühen 20. Jahrhunderts im Rheinland bekannt oder als Denkmal geschützt. Ausführlich schilderte Dr. Liptau den Unterschutzstellungsprozess von Baudenkmälern im Allgemeinen und im Besonderen in der Gemeinde Morsbach seit den 1980er Jahren.
Als Dank für seinen Fachvortrag überreichte ihm Vorsitzender Dirk Fassbender den Bildband „Alt Morsbach“ und einen Präsentkorb. Der Heimatverein wird sich jetzt mit der Gemeinde als Eigentümerin zusammensetzen und überlegen, wie die Brücke wieder saniert werden kann.
Das Schlusswort hatte der neue Bürgermeister Jan Schumacher. Er bot dem Heimatverein eine enge Zusammenarbeit an und appellierte, gemeinsam das Heimatgefühl zu stärken und Morsbach weiter lebenswerter zu gestalten. Er setzt unter anderem auf starke Vereine, einen wachsenden Tourismus und eine positive Neugestaltung des restlichen Bahnhofareals. (Christoph Buchen-28.03.2026 10:21)
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